15 Jul
Ich arbeite inzwischen schon ewig als Trainer und wenn ich einmal zurückdenke und die Trainingsziele der Menschen mit denen ich zu tun hatte zusammenfasse, dann fällt auf, dass die meisten jungen Männer zwischen 16 und 30 Jahren bei der Frage nach ihren Trainingszielen besonderen Wert auf ihren Oberkörper legen möchten. “Brust und Arme”, “breitere Schultern und dickere Arme”, so habe ich unzählige Male als Antwort bekommen. Die Beine werden nur selten genannt, ungefähr so häufig wie eine verbesserte Beweglichkeit oder eine bessere Ausdauer.
Ich möchte niemandens Ziele verurteilen, wenngleich ich für mich eher andere habe. Jeder hat das Recht auf seine eigenen Wünsche und Ziele. Trotzdem versuche ich jedem Trainierenden ein intensives Beintraining nahe zu bringen und das nicht aus Bosheit, weil Beintraining (und Kreuzheben) so ziemlich das Intensivste ist was man im Studio machen kann, sondern weil ich der felsenfesten Überzeugung bin, dass Kniebeugen, Kreuzheben und mit Einschränkungen auch Übungen wie Beinpresse und Hackenschmidt für jeden Trainierenden Vorteile bringen.
Warum?
Zuallererst einmal ist es so, dass die meisten, die mit reinem Oberkörpertraining beginnen, irgendwann dann doch merken, dass die Proportionen nicht stimmen. Wer will schon aussehen wie die muskulösen Römer in den Asterix-Comix mit gigantischem Oberkörper und Spargelbeinchen? (-> siehe hier!)
Ein weiteres Argument, dass ich gerne anbringe ist, dass ich die genauen Ziele des Trainierenden genauer ergründe. Mal ganz ehrlich, die meisten jungen Männer trainieren doch zumindest zu einem großen Teil auch für das andere Geschlecht. Und wo schauen Frauen gerne drauf? Sicher, breite Schultern und dicke Arme sind bestimmt nicht hinderlich, aber ohne Arsch in der Hose macht niemand nen guten Eindruck. ^^
Aber auch das ist nicht der Hauptgrund, warum Beintraining nicht vernachlässigt werden sollte. Wer einmal einen Satz schwere Kniebeuge mit einem genauso intensiven Satz Bizepscurls vergleicht, dem fällt auf, dass die Anstrengung bei letzteren nicht einmal annähernd so groß ist. Beim Bizepscurl sind die Muskeln ein bisschen aufgepumpt, bei der Kniebeuge liegt man anschließend auf dem Boden und braucht Minuten, um wieder auf die Beine zu kommen.
Diese Art und Weise seinen Körper zu fordern ist es aber, die für Kraft- und Muskelzuwachs sorgt. Zum einen werden durch diese intensive Belastung muskelaufbauende körpereigene Hormone vermehrt ausgeschüttet, zudem sind bei Kniebeuge und Kreuzheben so viele verschiedene Muskeln und so viele Gelenke beteiligt, dass auch die inter- (Zusammenwirkung verschiedener Muskeln) und intramuskuläre Koordination (Nerv-Muskel-Zusammenspiel des jeweiligen Muskels) bestmöglich geschult werden.
Es gibt Studien wie die, dass Trainierende über einen Zeitraum nur Kniebeugen gemacht haben… und in dieser Zeit Zuwachs an Armmuskulatur verzeichnen konnten. So extrem habe ich es mit “meinen” Trainierenden nie getrieben… ich hätte wahrscheinlich auch keine “Opfer” gefunden, aber eins fällt doch auf: Wer intensiv beugt (Kniebeuge) und/ oder hebt (Kreuzheben) und es schafft, sich dabei zu verbessern, der braucht sich um seine Gesamtkörperentwicklung keine Gedanken zu machen. Wenn ich selber in der Kniebeuge stärker geworden bin, dann sah ich auch muskulöser aus und wurde im Bankdrücken stärker… und zwar ohne dazu besondere Anstrengungen zu unternehmen (außer schwer zu beugen natürlich).
Sowohl Kniebeuge als auch Kreuzheben sind nicht einfach auszuführen, beides sind technisch anspruchsvolle Übungen. Man sollte mit der leeren Stange beginnen, unter Anweisung eines fähigen Trainers oder Sportlers (ich gebe zu, es gibt nicht viele!) die Technik üben und korrigieren lassen und immer weiter üben. Das Gewicht kann dabei – korrekte Technik vorausgesetzt – in kleinen (!!!) Schritten gesteigert werden.
Der Aufwand der hier betrieben werden muss ist größer als bei vielen anderen Übungen und der eine oder andere aufs Ego zu stark konzentrierte Trainierende mag sich zu Beginn komisch fühlen, aber: es lohnt sich!
Ich kann es nur jedem intensiv Trainierenden empfehlen: hebt und beugt schwer und versucht euch dabei zu verbessern. Eure Muskeln – auch die am Oberkörper – werden es euch danken!
Ach ja, auch wer vor allem abnehmen möchte, sollte seine Beine intensiv trainieren. Warum Krafttraining auch fürs Abnehmen besser ist als reines Cardiotraining, darauf werde ich in einem der nächsten Artikel eingehen, aber wenn man Krafttraining macht – was die richtige Entscheidung ist – dann beansprucht man beim Beintraining die größten Muskeln und verbrennt auch die meiste Energie.
So, wer bisher mit einem reinen Oberkörpersplit trainiert und sein Hauptaugenmerk aufs Bankdrücken legt sowie auf unzählige Bizepscurls, den bitte ich, es einfach mal zu probieren. Mal ganz ehrlich, wie toll waren eure Fortschritte in letzter Zeit? Seid ihr zufrieden? Also, was habt ihr zu verlieren!? An die Hantel mit euch und gebeugt und gehoben!
Viel Spaß und Erfolg beim Training wünscht euch
15 Kommentare
Andre
15|Jul|2008 1Top Artikel!!
Beine sind aber echt immer das Übelste in der Woche, macht aber auch hammerspaß.
Mikko
15|Jul|2008 2Oh wie recht du doch hast. bizeps bis zur vergasung, unendlich viele sätze auf der bank mit allen möglichen und unmöglichen intensitätstechniken, aber beintraining wird gemieden. wie diese trainierenden aussehen? meist nicht deutlich anders als zu trainingsbeginn. herr schmeiss hirn vom himmel… und denk diesmal auch an die bodybuilder!!!
Tim
15|Jul|2008 3ein sehr guter informativer artikel bitte mehr davon immer gut zu lesen !!
matthias wilke
15|Jul|2008 4Ist ein super Text und ich kann aus erfahrung sagen das der erste Teil stimmt. Ich werde es mir zu herzen nehmen und anfangen mit beugen und heben. MFG Matze bis zum nächsten.
Markus
15|Jul|2008 5Gut verfasster Artikel, schön zu lesen. Und SEHR richtig! Am meisten Respekt am Trainingstag hat man doch vor der Beinübung (bei mir Kniebeugen), es ist jedes Mal eine Herausforderung.
By the way, sind gut trainierte Beine doch auch schön anzuschauen.
Heki
15|Jul|2008 6Feiner Artikel und da ist sehr viel wahres dran!
Hannibal
15|Jul|2008 7Jawoll. kann mich nur anschließen. Ich war selber zu Beginn meines Trainings so dumm und habe auf die Beine verzichtet, insbesondere auch die Kniebeuge. Seitdem ich sie drin habe… aber warum erzähle ich das überhaupt? Eigentlich müsste man solche Geheimnisse des Trainings für sich behalten, damit die anderen nicht auch gute fortschritte machen. LOL
Trotzdem Gratulation zu einem gelungenen Artikel!
Grüßle
Grundlagen für den Muskelaufbau | To-Be-Strong Blog
16|Jul|2008 8[...] Morgen sieht man aber genauso aus wie gestern. Wie aber auch in dem Beitrag zum Beintraining (siehe hier) geschrieben, sind Grundübungen nötig, wenn man Muskeln aufbauen möchte. Diese sind [...]
admin
16|Jul|2008 9Vielen Dank für das positive Feedback! Freut mich sehr, hat mich gleich motiviert, noch einen weiteren grundlegenden Artikel zu schreiben:http://blog.to-be-strong.de/2008/07/16/grundlagen-fuer-den-muskelaufbau/
Viele Grüße
ET
Sascha Boller
16|Jul|2008 10Klingt alles logisch, da ich sowieso grade angefangen habe mit Beintraining, werde ich die Tips hier beherzigen.
Herzlichen Dank
Sash
Sofort lesen: Grundlagen für den Muskelaufbau « KOPIS.DE
16|Jul|2008 11[...] ja, und wenn ihr den Artikel gelesen habt, macht gleich mit diesem Artikel weiter. Veröffentlicht in [...]
Peter Baers
17|Jul|2008 12Auch hier wieder 100% Zustimmung von mir!
Den Unterschied konnte ich nach meinem Motorradunfall am eigenen Leib erfahren: Zwangsweise ohne Beintraining passierte leider auch am Oberkörper nicht mehr viel.
Nachdem ich dann endlich wieder beugen & heben konnte, ging es auch insgesamt wieder nach vorne.
Wer meint, man könne mittels Beinstrecken & Beinbeugen nun ähnliche Effekte erzielen … vergesst es gleich. Das ist nur ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem Sturm, den Kniebeugen & Kreuzheben im Körper auslösen!
Zudem:
Squats & deadlifts separate the men from the boys!
Also lernt Beugen & Heben und gebt Gas, es lohnt sich!
Grüße
Peter
mats
18|Jul|2008 13hi. schöner artikel. ich habe beine auch schon immer (wenn auch nicht gern) trainiert. so wie der römer wollte ich noch nie aussehen
Franz
08|Sep|2008 14Wie so viele andere Artikel auf dieser Seite ein richtig guter. Mein Training zu Beginn war auch meist Brust und Arme. Unzählige Sätze, keine Beine. Konnte zulegen, das lag aber wohl eher daran, dass man als Anfänger immer was zulegt, egal wie schlecht das Training ist. Dann kam das Plateau und ich musste was ändern. Ich habe auf ausgeglichenes, kurzes Training umgestellt, mich mit der Kniebeuge angefreundet und mit dem Kreuzheben. Seitdem geht die Post so richtig ab und Spaß machts auch!
Kann jedem nur empfehlen, die Tips hier zu befolgen!
Ciao,
Franz
Daniel Worttich
23|Mrz|2011 15Ich lese selten, was in den Blogs steht, aber dein Artikel klingt mehr als überzeugend. Es sind keine Dogmen, die du beschreibst, du beschreibst den Weg, erklärst die Ursachen und Wirkungen. Ich muss dir sogar unfreiwillig zustimmen. Die Kniebeugen ist für mich eine Mordsübungen.
Weiter so!
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