Heute möchte ich euch einen jungen Athleten vorstellen, der es geschafft hat, mich durch seine Motivation, seine intelligente Herangehensweise an Aufgaben sowie durch Leistung so zu überzeugen, dass ich ihn in einigen Belangen sogar als mein Vorbild bezeichnen kann.

Ich bin mir sicher, dass dieser junge Mann im Kraftsport noch einiges erreichen wird, wenn er nur dabei und gesund bleibt. Wer Tim durch diesen Beitrag näher kennenlernt, der wird sicher meiner Meinung sein.

Der 19jährige Tim Heitkötter ist im zweiten Lehrjahr Azubi im Einzelhandel und trainiert seit dem 17.11.2002 im Pallas Gym (Duisburg). An den Kraftsport gekommen ist er durch seinen 2 Jahre älteren Bruder Dennis, welcher ebenfalls bei den Highlandgames in Kempen zu unseren besten Punktelieferanten zählte. Wie so viele andere Trainierende, wurschtelte auch Tim zu Beginn ziemlich ziellos durch Studio und große Erfolge blieben aus. Bis zum 12.3.2005 hatte der lange Schlaks lediglich von 69 auf 74kg zugenommen, wahrlich kein toller Erfolg. An diesem Tag im Mai nahm Tim, der trotz seiner geringen Masse sehr durchtrainiert aussah, aus Spaß an einer Bodybuilding-Studio-Meisterschaft teil. Danach gab es einen Kick und er baute innerhalb kürzester Zeit 20kg auf.
Tim fand dabei allerdings heraus, dass sein eigentliches Interesse mehr in der Kraft als im Aufbau von Muskelmasse lag. Zwar war er sich im Klaren, dass Muskelmasse als Grundlage für starke Kraftleistungen nötig war, aber sein Ziel war es fortan, immer stärker zu werden und sich in Wettkämpfen zu messen.

Im Mai 2006 nahm Tim im Alter von nur 18 Jahren an einem Strongman-Newcomerwettbewerb in Cottbus teil. Tim brachte sein Körpergewicht unter die 90kg, um in der kleineren Klasse zu starten, wohlgemerkt bei einer Körpergröße von 1,92m. Natürlich konnte er unter diesen Voraussetzungen und als jüngster Teilnehmer nicht viel reißen und wurde Neunter von Neun, aber vor allem im Loading und Truck Pull schlug er sich wacker und hielt gegen die älteren und schon viel länger trainierenden Athleten gut mit.
Beim einem Wettkampf in Bielefeld später im Jahr belegte er dann bereits den 3. Platz unter 5 Teilnehmern.

Anfang 2007 trat Tim (inzwischen wiegt er zwischen 100 und 105kg) mit dem Vorschlag an mich heran, gemeinsam ein Team für die Highlandgames in Kempen zusammenzustellen. Er würde Interessenten kennen und dasselbe erhoffte er sich natürlich auch von mir durch meine Kontakte mit Kraftsportlern in der Leichtathletik und über den Shop. Die Zusammenstellung erwies sich dann doch als schwieriger. Zusagen wurden gebrochen, aber letztendlich standen wir mit einem starken Team auf dem Platz und schlugen uns wacker!

Was mir persönlich aber am meisten imponiert hat war die Art und Weise, wie Tim die Verbesserung seiner Leistungen angeht. Andere wären ins Studio gerannt und hätten das Hanteltraining intensiviert, was letztendlich vielleicht 5kg mehr im Bankdrücken gebracht hätte, seine Leistungen auf dem Platz aber kaum verbessert hätte. Tim ist sich der Wichtigkeit einer guten Grundkraft ganz sicher bewusst, so schafft er inzwischen trotz seiner wahrlich nicht guten Hebel über 200kg in der Beuge, 120kg von der Bank, 210kg im Kreuzheben, 110kg bei Push Presses sowie 20 Klimmzüge, trotzdem trainierte er von Beginn an auch im athletischen Bereich und mit Würfen. Er bestellte sich eine 7,26kg-Kugel bei ebay und trainierte mit Bruder Dennis und Kumpel Daniel auf einer großen stillgelegten Baustelle. Sie stießen mit der Kugel, bastelten sich Gewichte für den Hochwurf. Die Technik wurde gefilmt, an mich weitergeleitet und dann in einer Art Videokonferenz besprochen. Dieser Einsatz machte sich bezahlt, in Kempen erzielte Tim beim Steinstoßen die maximale Punktzahl, woran Athleten mit teils viel dickeren Armen und besseren Kraftwerten kläglich scheiterten.

Nach dem ersten Highlandgames-Wettkampf zog er Schlußfolgerungen, was man noch besser machen könnte. Hufeisen fürs Zielwerfen wurden über Ebay geordert, an weiteren Geräten für andere Übungen bastelt die Duisburger Truppe unter Tim’s Leistung fleißig.

Diese Zielstrebigkeit, die habe ich wirklich zu schätzen gelernt und ich freue mich, mit Tim zusammen dieses Team auf die Beine gestellt zu haben. Ich werde weiter versuchen, gegenzuhalten, damit Tim “nur” der zweitbeste Punktesammler im Team bleibt, aber es ist ganz sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Jugend an mir vorbeigezogen ist. Vor allem, wenn sie so weitermacht wie bisher!

Auf die Frage nach Vorbildern antwortet Tim: “Nur du. ^^ Nein, ich hab so kein Vorbild, ich geh meinen eigenen Weg und nur dem folge ich!”

Was der Sport für Tim bedeutet: “Sehr viel. Sport begleitet mich jeden Tag, das fängt schon morgens an, wenn ich mir einen riesigen Haferflocken-Bananen-Quark-Milchshake mache, bei dem ich denke ich platze, ihn aber trotzdem trinke, weil ich weiß, dass ich durch sowas groß und stark werden kann. Ich überleg mir den ganzen Tag über, wie ich mich weiter verbessern kann: welche Übungen, was essen, wie, wo und wann. Es ist der Moment in der Umkleide, in dem ich mich freue, dass es gleich los geht. Es ist der Moment, wenn ich die Hantel anfasse, mich konzentriere und mich innerlich selber anfeuer. Es ist der Moment, in dem ich aufblicke, tief einatme und alles daran setze, ein Gewicht zu bewegen, in dem ich weiß: das ist mein Sport. Das ist, was ich will.”

Auch den Strongmansport hat Tim nicht vergessen, er weiß aber, dass er diesbezüglich noch an seinen Kraftgrundlagen arbeiten muss, um auch in der schwereren Klasse mithalten zu können. Für das Jahr 2010 etwa hofft er, an einem Deutschlandcup teilnehmen zu können.

Wir drücken Tim für dieses Vorhaben die Daumen, wünschen uns aber vor allem, dass er in der Zwischenzeit unserem Highlandgames-Team zu guten Platzierungen verhelfen wird.

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