Torsten Hülsemann: Dein Sieg bei der Deutschen Meisterschaft ist erst wenige Tage her. Trainierst du schon wieder und wenn ja, wie?

Ricardo Rauner: Ja ich habe heute (Donnerstag) das Training wieder aufgenommen. Wollte eigentlich noch ein Weilchen pausieren, aber ich habe etwas vermisst.
Habe mich richtig aufs Training gefreut. Heute habe ich den kompletten Oberkörper trainiert.
Immer einen Satz ohne Pause gefolgt von einem Satz des Gegenspielers. Also z.B. einen Satz Brust, danach sofort einen Satz für den Rücken. Dann erst habe ich 2 Minuten pausiert. Das Training war sehr anstrengend und zum Teil schmerzhaft, dadurch das ich nach dem Wettkampf einiges an Wasser gezogen habe, gab es einen unglaublichen Pump, welcher nicht unbedingt angenehm war. Aber es hat Spaß gemacht.
Morgen werde ich die Beine komplett trainieren und ab nächster Woche werde ich auf einen Dreier- oder Vierer-Split wechseln, dass entscheide ich dann spontan.

T.H.: Mit welchem Ziel gehst du jetzt an dein Training heran, nachdem du gerade erst deine bisherige absolute Topform erreicht hast. Hast du da keine Motivationsprobleme?

R.R.: Nein Motivationsprobleme habe ich nicht. Sicher, der Blick in den Spiegel ist schon komisch, die Form ist natürlich nicht mehr mit der vor ein paar Tagen vergleichbar. Ich nutze jetzt erstmal das „anabole Fenster“, da der Körper ja jetzt nach der langen Diät alle Nährstoffe förmlich aufsaugt, baut man gerade jetzt am besten auf. Auch ein Grund warum ich die Auszeit verkürzt habe.
Was sehr wichtig für mich ist, dass Ego wird komplett ausgeschalten. Die Kraft ist natürlich auch auf der Strecke geblieben, worüber sich so mancher Athlet nach einem Wettkampf Sorgen macht. Ich orientiere mich also erstmal nicht an meinen alten Kraftleistungen, gestalte das Training von daher auch erstmal völlig anders, um dem „Egoproblem“ aus dem Weg zu gehen. Es werden z.B. viele Verbundsätze/Übungen gemacht, wo es eh nicht möglich ist alte Leistungen zu vergleichen, da diese unter einer anderen Trainingsgestaltung entstanden sind.
Aber das sind jetzt erstmal grobe Gedanken, wie gesagt wird nächste Woche alles genau geplant.

T.H.: Wie gestaltest du deine Ernährung? Achtest du momentan sehr darauf oder lässt du es vergleichsweise schleifen?

Also den ersten Tag nach dem Wettkampf gab es nichts zu essen was sonst auf dem Plan eines Bodybuilders zu finden ist. Da habe ich mir alles gegönnt, Brötchen mit Nutella, Pizza, Kuchen, Döner, Eis….und noch so kleine Leckerlis. icon smile Ricardo Rauner im Interview: das Leben nach dem Gewinn des Deutschen Meistertitels
Aber der ständige „Kontrollgriff“ Richtung Bauchmuskeln zeigte mir das ich schon ein schlechtes Gewissen bekam.
Seit dem sind die Hauptmahlzeiten wieder bodybuildinggerecht, aber zwischendurch gibt es schon mal nen leckeren Protein-Riegel oder ein Stück Kuchen.
Das wird sich auch die nächsten 1-2 Wochen nicht ändern, dann heißt es wieder diszipliniert ernähren.
Dann gibt’s nur Sonntags die Ausnahmen, also ein „normales“ Mittagessen, Nachmittags bissel Kuchen und was zum Naschen.
So halte ich die Ernährung immer, einen Tag wird bissel geschummelt, der Rest der Woche wird streng durchgezogen.
Das sollte man sich auch gönnen, es hält den Stoffwechsel auf Trab und tut der Seele gut. Schließlich kommt irgendwann die nächste Wettkampfdiät, wo es keinerlei Ausnahmen gibt.

T.H.: Du hast es selber angesprochen: die nächste Wettkampfdiät! Hast du schon irgendwo im Hinterkopf eine Idee, wann dies sein könnte?

R.R.: Nein, noch nicht wirklich. Als nächstes konzentriere ich mich wieder auf die Betreuung meines Schützlings.
Da steht noch nicht genau fest ob er im Frühjahr oder Herbst nächsten Jahres starten wird.
Wird er im Frühjahr starten, ist es gut möglich das ich im Herbst wieder auf der Bühne bin. Ansonsten erst im Frühjahr 2009.
Ich denke aber schon das man noch 2008 von mir hören wird.

T.H.: Es ist natürlich nicht leicht, das jetzt Erreichte noch mal zu toppen. Hast du konkrete Ziele, beispielsweise die Teilnahme an internationalen Meisterschaften?

R.R.
: Ja auf jeden Fall möchte ich an großen internationalen Meisterschaften teilnehmen.
Eigentlich sollte es ja dieses mal zur WM gehen, nur leider machen mir private Umstände eine Teilnahme unmöglich.
Ich hoffe das ich die Qualifikation beim nächsten mal wieder schaffe und dann nichts mehr dazwischen kommt.

T.H.: Wir drücken dir die Daumen, dass du dies erreichen wirst und beobachten mit großem Interesse deine weitere Entwicklung!


Ricardo Rauner
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