Was für eine Vorbereitung auf die Landesmeisterschaften der Altersklassen in Delmenhorst. Mein wurfspezifisches Training war ja ohnehin sehr mau in diesem jahr bisher, aber jetzt war ich sogar noch eine Woche auf Seminarreise in der Türkei, was natürlich ein disziplinspezifisches Training völlig ausschloß. (Mehr zur Reise im Trainingsblog in Kürze).
Gelanded sind wir in der Nacht von Freitag auf Samstag, die Nacht war kurz, ebenso die von Samstag auf Sonntag, denn Startzeit der ersten Disziplin (Kugelstoßen) war um 9 Uhr. Delmenhorst liegt ja nicht gerade um die Ecke, neben der Fahrzeit plant man noch einen gewissen Puffer mit ein und die Stellplatzkarten sollen bzw. müssen – so wurde uns von Kampfrichtern gesagt – anderthalb Stunden vor Wettkampfbeginn abgegeben werde.
So geschah es dann, dass ich mich an einem Sonntag um halb 4 morgens nach weniger als 4 Stunden Schlaf aus der Bettdecke pellen musste. Wir kamen aber gut durch und waren früh genug am Ort. Zu früh eigentlich, aber so konnte ich noch für ein paar Minuten die Augen schließen… und wo man überall schlafen kann, wenn man müde ist – unglaublich. icon smile Kugel, Diskus, Highlandgames   Teil 16   Landesmeisterschaften in Delmenhorst

Im Kugelstoßen war ich Titelverteidiger in der Altersklasse M30. Letztes Jahr habe ich mit etwa 4 Metern Vorsprung den Titel gewonnen. Samstagabend habe ich allerdings in die Meldeliste geschaut und gesehen, dass dieses Jahr die Ausgangslage eine andere war. Auf einmal tauchte da mit Peter Johan Sjoerds vom VfL Lingen ein Athlet auf, der eine um über einen Meter bessere Meldeleistung hatte. Das war dann wohl nichts mit der Titelverteidigung. Mein Training war ja nicht gerade darauf ausgerichtet, zu einer großen Leistungsverbesserung zu führen. Aber was soll’s und zumindest beim Diskuswerfen sollte das wie auch im Vorjahr wieder eine klare Sache werden.

Beim Aufwärmen – wir starteten zusammen mit der Altersklasse M35 – schaute ich erstmal, wer denn dieser Peter sein könnte. Dieser schlug dann erst recht knapp vor Wettkampfbeginn ein und natürlich schaute ich schon mal, wo die Kugeln denn so etwa einschlugen. Konnte man gut vergleichen, da wir beide aufgrund technischer Mängel weit rechts raus stießen.

Ich war vor Peter dran, meine Kugel ging rechts am Sektor vorbei, seine ebenso. Im zweiten Versuch verfehlte ich wiederum den Sektor, Peter kam auf 13,29m. Zwar besser als nichts, aber noch immer in Reichweite meines Leistungsvermögens dieses Jahr (Jahresbestleistung 13,46m – vor zwei Wochen erzielt). Ich kam im dritten Durchgang auf 13,22m, Peter auf 12,67m. Im vierten Durchgang kam ich auf 13,16m, Peter verbesserte sich auf 13,56m.
So langsam spürte ich aber, dass das nicht alles sein konnte, ich wurde langsam wach und das Adrenalin tat sein übriges. Ich würde meine Technik nicht komplett umstellen können, aber zumindest auf ein oder zwei Dinge würde ich achten können und bei nötiger Aggressivität wären auch die 13,56m in Reichweite.
So sollte es dann auch sein, ich verbesserte im fünften Durchgang meine Jahresbestleistung auf 13,66m, Peter hatte einen ungültigen Versuch. Ich hatte noch einen Versuch, konnte mir aber nicht sicher sein, denn Peter war nach mir noch dran. Von daher musste ich noch einmal alles riskieren. Ich legte alles in den Stoß, traf die Kugel aber leider nicht richtig. Trotzdem eine weitere kleine Verbesserung auf 13,73m. Peter ging es ähnlich, ihm gelang eine Verbesserung auf 13,61m – die Geschichte ging mit 12cm Vorsprung an mich. Für mich war das im Endeffekt also ein perfekter Wettkampf: Nervenstärke zum Wettkampfende, endlich mal wieder einen spannenden Wettkampf gehabt mit gutem Ende für mich, Titel verteidigt, zweimal Jahresbestweite, außerdem nen netten Sportskollegen kennengelernt. Lediglich mein vergleichsweise niedriges allgemeines Leistungsniveau gefällt mir nicht wirklich. icon smile Kugel, Diskus, Highlandgames   Teil 16   Landesmeisterschaften in Delmenhorst

Peter und ich

Die Zeit bis zum Diskuswurf quatschte ich mit Peter. Ein sehr netter Sportskollege aus Holland, der beruflich in Deutschland tätig ist und dieses Jahr aus Westfalen zu einem niedersächsischen Verein wechselte. Wir werden sicher noch das eine oder andere Duell in Niedersachsen oder bei Norddeutschen Meisterschaften austragen.

Es gab eine interessante Ausstellung mit Autogrammen und Biographien von Teilnehmern der Olympischen SPiele 1936. Ich bin in Sportgeschichte ja sehr interessiert, war schon ne klasse geschichte. Zumal der Sammler, der als Arzt bei der Veranstaltung war, auch noch eine Olympiamedaille mit dabei hatte. Peter und ich nutzten die Chance, uns mit der Bronzemedaille der Olympadritten im Hochsprung von 1936 – Elfriede Kaun – fotografieren zu lassen. Kaun erzielte damals höhengleich mit den beiden erstplatzierten die Höhe von 1,60m. Sie verstarb als letzte deutsche Medaillengewinnerin von 1936 im März diesen Jahres.

Peter interessiert an der Olympia 36-Ausstellung
Olympiamedaille von Elfriede Kaun

Irgendwann stand dann auch der Diskuswurf an. Es war jetzt heiß, sehr heiß. Ich verschwand nach jedem Durchgang auf die Tribüne. Das lohnte sich, da wir mit insgesamt 13 Athleten doch ein recht großes Feld waren.
Meine Serie war: 36,09 – 37,78 – x – x – 39,12 – 36,96. Peter wurde Zweiter mit 31,48m.
Die Serie war nicht toll, wenigstens war der beste Wurf relativ nah an meiner Jahresbestleistung (39,77m) dran, wobei ich schon mal wieder gerne auf 40m gekommen wäre.
Auf den Fotos entdeckte ich dann neben meinen üblichen auch einen weiteren Fehler, den ich so sonst eigentlich nicht mache. Dann weiß ich, was ich beim nächsten Mal zu tun habe…

Foto Diskus 1
Foto Diskus 2
Foto Diskus 3

Der nächste Leichtathletikwettkampf findet am übernächsten Wochenende (Norddeutsche Meisterschaften der Altersklassen) statt, am nächsten Wochenende stehen aber erst noch die Highlandgames in Xanten an. Zeitgleich zu Xanten finden auch die Landesmeisterschaften der Männerhauptklasse statt. Die Meldelisten machen mich ein bisschen traurig, da wären gute Ergebnisse möglich gewesen. Aber man kann halt nicht alles haben…

ET
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