Das aus meiner Sicht Wichtigte – den Sieg des to-be-strong-Athleten Ricardio Rauner – gab es ja bereits nachzulesen, aber es gab ja noch weitere Klassen bei den Deutschen Meisterschaften in Salzgitter.

Was fiel mir auf?

Anzahl der Teilnehmer: Für eine Deutsche Meisterschaft war in meinen Augen doch recht wenig los auf der Bühne. Wenn ich mich recht erinnere gab es eine Klasse mit 9 Athleten, die anderen Klassen hatten höchstens 7 Teilnehmer. Beim Frauen-Bodybuilding waren es sogar nur 2 Athletinnen und das einzige Paar sah auf der Bühne ziemlich verloren aus. Sicherlich gibt es eine starke Konkurrenz der verschiedenen Verbände um die Athleten. Aus Erzählungen ehemaliger Wettkämpfer ist aber herauszuhören, dass früher bei Wettkämpfen deutlich mehr los war… auch wenn man den Früher-war-alles-besser-Faktor mit einbezieht und die Angaben ein bisschen runterrechnet.

Qualität der Teilnehmer: In meinen Augen gab es einige stark besetzte Klassen (beispielsweise die drei Fitnessklassen der Männer) aber auch einige, die mich nicht überzeugten. Etwas enttäuscht haben mich die Männerklassen im traditionellen Bodybuilding. Dadurch bedingt, dass hier die Klasseneinteilung nach Körpergröße und nicht nach Gewicht erfolgt, scheinen einige Athleten mehr auf Masse zu gehen, anstatt eine wirklich gute Form anzupeilen. Verglichen mit der NRW-Meisterschaft des DBFV war dies bereits deutlich zu sehen. Dort gewann ein Athlet mit unter 70kg den Gesamtsieg. Athleten, mit einer Definition wie sie die besten Athleten in Duisburg hatten (vor allem in den Männerklassen 1 und 2, aber auch bei den schwereren Klassen), waren in Salzgitter selten.

Moderator: Wer einmal einen Wettkampf mit Jürgen Stickelbrock als Moderator miterlebt hat, der wird über traditionelle Moderationsversuche enttäuscht sein. Allerdings brächte es sicher nichts, gegen seine Art jemanden versuchen nachzumachen. Das wäre dann höchstens unfreiwillig komisch. Von daher war’s ok, aber halt nicht der Brüller…

Zuschauer: Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass das Publikum nicht begeisterungsfähig war. Lediglich einige Südeuropäer machten bei den Auftritten ihrer Brüder/ Kumpels etwas mehr Stimmung. Wenn ich bei Ric’s Auftritten mal etwas gebrüllt habe, hat mich der eine oder andere teils recht entgeistert angeschaut, als ob ich den Matheunterricht gestört hätte. Hatte natürlich den Vorteil, dass Ric mich dafür wahrgenommen hat, hehe.

Ölarme: Zum ersten Mal sah ich zwei der drei berühmtesten Ölarm-”Opfer” im live. Zuerst fiel uns einer auf, den ich von den Fotos kannte.
So weit, so gut, doch später fiel mir dann sein Kumpel auf: Michael Brügger. So weit ich das verstanden habe, hat er seine Frau betreut, die auf der Bühne stand. Es hat mir aber wirklich leid getan, Michael Brügger so zu sehen. Wer sich in der Historie nicht so auskennt, dem sei gesagt: Michael Brügger war einer der besten deutschen Kraftdreikämpfer aller Zeiten. Als erster hatte er Total von über 1000kg im Kraftdreikampf, schaffte 277,5kg im Bankdrücken, hob auf der FIBO 400kg, war vielfacher Deutscher Meister, dritter der Weltmeisterschaften und Juniorenweltmeister… Was bewegt einen Mann mit dieser Historie, sich dermaßen zu verunstalten? Nicht nur ich stelle mir diese Frage…

Die Räumlichkeiten: Das fand ich ziemlich peinlich. Die Athleten mussten sich in der Fluren zu den Toiletten und teils im Foyer umziehen und anpinseln lassen. Das war sicher interessant für die Zuschauer, aber ein riesen Stressfaktor für die Athleten und ihre Betreuer.

Last but not least möchte ich noch meinen Kumpel Sebastian zu Worte kommen lassen, welcher selber ein leidenschaftlicher Eisenbieger und BB-Fan ist und für welchen dies der erste live verfolgte Wettkampf war:

Da dies mein erster Bodybuilding-Wettkampf war, wusste ich nicht genau was mich dort erwarten würde. Doch als wir in Salzgitter eintrafen und die Halle betraten, wurde ich gleich von dieser besonderen Athmosphäre angesteckt.
So viele gleichgesinnte Bodybuilder auf einem Haufen, das ist schon ein besonderes Erlebnis.
Für die eigene Motivation auf jeden Fall wie ein Liter Benzin ins offene Feuer.
Ich bin noch immer ganz begeistert und ich plane, mir in Zukunft weitere Meisterschaften anzusehen.

Ich selber werde mal schauen. Der nächste Wettkampf steht eigentlich erst wieder an, wenn einer der Jungs wieder auf die Bühne steigt. Mal schauen, wann das sein wird…

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