In wenigen Tagen wird an dieser Stelle ein Interview mit Rolf Oesterreich veröffentlicht werden. Rolf war in den 70er-Jahren Kugelstoßer in der DDR und erzielte am 12.09.1976 eine Weite von 22,11m. Dies lag 11cm über dem bestehenden Weltrekord des Russen Alexander Baryshnikow.
Rolf’s Leistung wurde jedoch nie anerkannt, internationale Starts wurden ihm ebenfalls nicht ermöglicht und auch intern wurde er an weiteren Starts gehindert, bevor er im Jahr 1978 noch einmal eine Weltklasseleistung erzielte, welche aber ebenfalls nicht veröffentlicht wurde.

Nach der Wende wurde Rolf’s Leistung auch im Westen publik, ich erinnere mich Anfang der 90er-Jahre eine Reportage darüber im Fernsehen gesehen zu haben. In den Listen der Statistiker wurden die 22,11m aufgenommen mit dem Vermerk “Leistung wurde vom damaligen DVfL der DDR aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nicht anerkannt”. Dieser Anerkennung ging eine gründliche Prüfung des “Falles Oesterreich” voraus. Wer einen Statistiker kennt, der weiß wie genau ein solcher darauf wert legt, dass Leistungen auch wirklich belegt werden – und das ist auch gut so!

Ich selber bin im Jahr 2004 wieder auf Rolf Oesterreichs Leistung gestoßen. Bei einem Wettkampf geriet ich mit einem Kampfrichter, welcher zwar alle möglichen Abzeichen trug, die grundlegenden Regeln des Kugelstoßens nicht kannte, in ein Streitgespräch. Ein netter Seniorensportler, mit dem ich zuvor im selben Wettkampf war, trat mir zur Seite und vertrat auch meine Meinung. Er sei in der ehemaligen DDR selber Kampfrichter gewesen, u.a. auch bei Länderkämpfen.
Auf dem Weg zum Diskuswerfen kamen wir näher ins Gespräch, schließlich hatte ich in diesem Menschen – Jürgen Bloß sein Name – eine interessante Quelle gefunden und er wusste wahrlich viel zu erzählen. Schließlich fiel mir die alte Reportage über Rolf Oesterreich ein, ich hatte seinen Namen über all die Jahre nicht vergessen. Ich fragte Jürgen, ob ihm der Fall Oesterreich auch bekannt sei. Er war es und nicht nur das: wie es der Zufall so wollte war ich hier auf den Mann getroffen, der den “Fall Oesterreich” nach der Wende publizierte. Wir tauschten Adressen und Jürgen ließ mir Informationen zukommen, welche so im allgemeinen nicht bekannt waren.

Hier könnte die Geschichte jetzt zuende sein, aber ein zweites Mal griff Kommissar Zufall ein. In einem amerikanischen Werferforum fragte jemand nach dem Fall Oesterreich. Ich antwortete und schrieb ein klein wenig dazu.
Kurz darauf bekam ich eine kurze Mail auf Englisch, Rolf Oesterreich hatte meinen Beitrag gelesen und bot mir an, bei weiteren Fragen zur Verfügung zu stehen. Dies war am 26. Oktober 2004. Ich schrieb mit Rolf und dabei entstand die Idee, ein Interview über diesen nur in Insiderkreisen bekannten Fall zu machen. Ich schlug dem Herausgeber der Zeitschrift longandstrong vor, dieses Interview zu veröffentlichen und dieser war hellauf von der Idee begeistert. Alles in allem dauerte es dann aber noch bis zur Januarausgabe 2007, bis das Interview endlich auf 8 DIN-A4-Seiten erschien. Schuld daran war Zeitmangel meinerseits sowie Probleme bei der Übersetzung ins Englisch, welches gerade bei Fachausdrücken weder mir noch einer Übersetzerin leicht fiel. Die eine oder andere Übersetzung ist folglich auch ziemlich holprig geraten, hehe.

Hier im Blog werde ich die deutsche Urfassung veröffentlichen – ohne die paar Übersetzungsproblemchen.

Einen Wikipedia-Eintrag über Rolf Oesterreich findet ihr hier.

Rolf selber ist heutzutage Lehrer und Trainer. Seine Homepage findet man unter http://www.drehstosstechnik.de.