15 Jul
von Torsten - Kategorie: Allgemein, Training, Wettkampfbodybuilding
Muskulöse Arme, insbesondere ein runder, praller Bizeps, sind für die meisten männlichen Trainierenden das wichtigste Trainingsziel. Danach folgt in der Prioritätenliste dann eine starke Brust mit einer guten Bankdrückleistung (“Ej, was drückst du?”), es folgen breite Schultern, ausladender Rücken, definiertes Sixpack… und irgendwann weit abgeschlagen muskulöse Beine und Waden.
Alleine über diese Bewertung könnte man viel schreiben und meine Formulierungen weisen schon darauf hin, dass ich das alles sehr skeptisch sehe, aber dieser Beitrag soll sich stattdessen wirklich damit beschäftigen, wie man muskulöse Arme bekommt. Was muss man tun, was sollte man eher lassen?
Schauen wir uns vielleicht zuerst einmal die Realität an, was tut der Durchschnittstrainierende, der mit dem Ziel dickerer Arme ins Studio geht?
Mehr als 15 Jahre in verschiedenen Sportstudios haben mich gelehrt, dass man die Trainierenden dabei in zwei Gruppen teilen muss.
Anfänger trainieren oftmals die Arme direkt als erstes. Kabelcurls, Kurzhantelcurls, Maschinencurls, Konzentrationscurls… am besten das ganze Programm, welches man in den Zeitschriften bei den Profis gesehen hat, dabei jeweils 3 Sätze à 10 oder 12 Wiederholungen. Danach wird dann noch ein bisschen Brust gemacht, eventuell ne Trizepsübung und ein bisschen Pillepalle hier oder da und schon ist das GANZKÖRPERtraining abgeschlossen. Übermorgen dann der nächste Versuch, dann bekommt der Bizeps wieder feste einen drauf.
Etwas Fortgeschrittene, die einige Grundprinzipien des Bodybuildings bereits verstanden haben, gehen meist anders vor. Natürlich nimmt auch hier der Bizeps einen enorm wichtigen Stellenwert ein, aber zumindest werden die anderen Muskeln des (Ober)körpers auch annähernd so ernsthaft trainiert.
Das erste der beiden Beispiele brauchen wir hier nicht näher zu thematisieren. Es ist auch nicht Ziel, sich über diese Trainierenden lustig zu machen, nur weil sie keinen Schimmer vom Training haben. Man kann ja schließlich nicht von jedem erwarten, dass er auf jedem Gebiet ein Experte ist. Es gibt für jeden von uns etwas Fortgeschritteneren genügend Fachgebiete, auf denen wir auch nicht den Hauch einer Ahnung haben, also eigentlich kein Grund auf unwissende Trainierende zu schauen, die sich anstrengen, aber ihre Kraft in die falsche Richtung lenken.
Aber trainieren wir überhaupt so viel intelligenter?
Viele arbeiten mit ausgeklügelten Splitprogrammen, aber doch bleiben die Fortschritte aus. Warum denn? Wenn man sich an die Pläne aus den Zeitschriften hält, die den Profis zugeschrieben werden, dann muss man doch fast automatisch wachsen, wenn man nur hart genug trainiert! Oder?
Hartes Training ist oftmals nicht das Problem, auch trainiert kaum jemand der den Sport ernsthaft trainiert wirklich zu wenig. Ein Problem sehe ich in oftmals vollkommen falsch konzipierten Trainingsplänen. Als leistungsorientierter Freizeitsportler ist man ganz einfach nicht in der Lage, die Pläne von Profis nachzutrainieren und dann auch noch davon zu profitieren (sprich Fortschritte zu machen). Genetik, Trainingsalter, Medikamentenmissbrauch und schließlich auch die volle Konzentration auf den Sport sind Kriterien, die den Profi von den meisten anderen Bodybuildern unterscheiden.
Ok, genug gesagt, was man nicht tun soll. Aber wie sollte man trainieren, wenn man wirklich Erfolg haben möchte und dicke, muskulöse Arme sein eigen nennen möchte?
Ein Standardrezept kann man sicher nicht nennen, aber ein paar Anregungen möchte ich mit auf den Weg geben.
Vieles wurde schon in dem Artikel über Splitprogramme genannt, welches sich damit befasste, wie man sein Training denn am besten splittet… wenn man denn nach einem Splitprogramm trainieren möchte.
Eine Möglichkeit, die ich dort unter anderem nenne, ist, auf bestmögliche Regeneration der kleinen, unterstützenden Muskeln zu achten. Das heißt, am besten nach einem Push-/Pull-Programm zu trainieren, wobei der Bizeps nach dem Rücken trainiert wird und der Trizeps nach Brust und Schulter.
Sicherlich ist diese Aufteilung nicht der einzige sinnige Split und andere machen mit anderen Splits auch gute Fortschritte. Wer aber wirklich zufrieden ist mit seiner Armentwicklung, der hätte nicht bis hierher gelesen.
Viele Sportler haben bezüglich ihrer Armentwicklung genau dann begonnen Fortschritte zu machen, wenn sie etwas gemacht haben, was den meisten Trainierenden Tränen in die Augen treibt: der Verzicht auf direktes Armtraining!
Der Aufschrei bei diesem Vorschlag ist oftmals groß: wie soll ich denn dickere Arme bekommen, wenn ich die Arme nicht trainiere?
Vorsicht! Es müsste heißen “wenn ich die Arme nicht direkt durch Isolationsübungen trainiere”! Denn dass die Arme bei Verzicht auf Curls und Trizepsdrücken in allen möglichen Varianten nicht trainiert werden, das ist schlicht und einfach falsch! Fast alle Rückenübungen haben starke Bizepsbelastung zur Folge, alle drückenden Bewegungen für Brust und Schulter (Bankdrücken, Schrägbankdrücken und Schulterdrücken, jeweils in allen möglichen Ausführungen) beanspruchen den Trizeps stark mit.
Warum also nicht einfach mal probieren? Wie lange haben die Arme jetzt auf Zuwachs gewartet, wie lange hat sich nichts getan? Wie oft wurden neue Übungen ins Programm aufgenommen, neue Intensitätstechniken usw.? Ich würde es einfach mal für einen längeren Zeitraum probieren, auf direktes Armtraining zu verzichten, denn was hat man schon zu verlieren? Schlechter als “kein Fortschritt” (den man ja momentan hat) kanns kaum gehen.
Klar, da ist jetzt Kopfarbeit angesagt. Das ist für viele psychisch nicht so leicht umzusetzen, auf den für sie wichtigsten Teil des Trainings zu verzichten. Aber vielleicht siegt ja trotzdem mal die Vernunft! Die Arme werden es unter Umständen mit guten Zuwächsen danken!
5 Kommentare
Sven
16|Jul|2007 1Super Artikel, kann mich deiner Meinung nur anschließen. Ich selber trainiere die Arme nur noch 1 mal in der Woche mit 1 Satz und das war es….
Wenn ich mal nicht mehr weiterkomme dann werde ich die Armübungen ganz streichen, dann mal sehen was passiert.
Gru0
Sven
Mit den Einsteigerplänen durch - Wie soll ich jetzt trainieren? | To-Be-Strong Blog
16|Jul|2007 2[...] Wie gestern in einem anderen Beitrag geschrieben, könnte man auch durchaus das direkte Armtraining weglassen: Verzicht auf direktes Armtraining. [...]
Polyamid
16|Jul|2007 3Hab deinen interessanten Beitrag auch grade gelesen. Vorerst möchte ich mal loswerden, daß ich mich in deinen beiden aufgeführten Grundarchetypen von Bizeps Opfern nicht wiedererkenne. Darüber sollte ich wohl froh sein und das trotz meiner relativ kurzen Trainingserfahrung.
Ich bin wie du der Meinung, daß Viele das Training dieses kleinen Muskels viel zu sehr in den Vordergrund rücken. Ich bin auch der Meinung, daß indirektes Training hier mehr bringt. Ich trenne mich persönlich aber auch nicht ganz vom Bizeps Training. An Pull Tagen mache ich grundsätzlich als letzte Übung des Tages entweder SZ Curls, Hammercurls oder Konzentrationscurls. Allerdings nur eine der 3 Übungen und einen Satz mit nicht zu hohen Gewichten. Das reicht mir dann vollends.
Grundlagen für den Muskelaufbau | To-Be-Strong Blog
16|Jul|2008 4[...] Man gehe in ein beliebiges Studio und schaue sich um. Sehr groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beingeräte verwaist und teils leicht verstaubt da stehen, während etliche Trainierende gerade die Hantel schwingen mit dem Ziel, den Bizeps aufzupumpen. Besucht man dasselbe Studio mehrere Monate später wieder und trifft durch Zufall wieder dieselben Sportler, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass alle noch genauso aussehen wie damals. Ok, vielleicht tragen sie andere Klamotten, aber die Muskeln sind meist nicht entscheidend größer geworden und das obwohl es sich dabei oft um Sportler handelt, die noch nicht lange an der Hantel sind. Diese sollten doch eigentlich gute Fortschritte machen… zumindest ist das in aller Regel so, wenn der Anfänger nicht allzu viel falsch macht. Wo liegt das Problem? Klar, mit Curls lassen sich die Bizeps gut aufpumpen, mit Fliegenden die Brustmuskeln usw. Man darf aber den Pump nicht mit dauerhaften Muskelaufbau verwechseln. Der Pump reicht vielleicht noch bis an den Strand oder in die Disco, wenn diese nah am Studio legen. Am nächsten Morgen sieht man aber genauso aus wie gestern. Wie aber auch in dem Beitrag zum Beintraining (siehe hier) geschrieben, sind Grundübungen nötig, wenn man Muskeln aufbauen möchte. Diese sind neurophysiologisch effektiver, lassen schwere Gewichte über mehrere Gelenke bewegen. Wer in den Grundübungen wie Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken (in allen Varianten), Klimmzug, Rudern, Frontdrücken und Dips stärker wird, der baut dabei auch Muskeln auf. Isolationsübungen können das Training ergänzen, dabei sollte meiner Meinung nach bei Anfängern und (mäßig) Fortgeschrittenen aber vor allem dann auf Isolationsübungen zurückgegriffen werden, wenn Muskelungleichgewichten entgegengesteuert oder vorgebeugt werden soll. Ein Beispiel dafür zum Beispiel Übungen für die hintere Schulter. Was Isolationsübungen beispielsweise für den Bizeps angeht, so hilft auch dieser Artikel weiter: LINK. [...]
Chris
26|Sep|2010 5Der erste Absatz hat mich sowas von angesprochen ;D
Super Text!!
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