Fragt man 10 fortgeschritten Trainierende, wie man am besten Muskeln aufbauen sollte, so erhält man ziemlich genau 10 verschiedene Meinungen. Jeder ist natürlich genau davon überzeugt, wie er trainiert… sonst würde er ja nicht so trainieren. icon smile ELAN Muskeltipp Nr.10: PITT Training

Zugegebenermaßen gibt es Muskelaufbau betreffend auch nicht den einen, goldenen Weg, der jeden ans Ziel führt und der besser ist als alle anderen Wege. Zu Beginn meiner Trainerlaufbahn Mitte der 90er-Jahre sahen die Trainingspläne die ich erstellte auch in vielen Fällen so aus wie das, was ich selber trainierte. Im Laufe der Jahre veränderte sich das dann, das Repertoire an Trainingssystemen erweiterte sich, obwohl ich heute noch immer der Meinung bin, dass es zwar verschiedene gute Trainingssysteme gibt, aber ebenso eine Menge Müll.

Vor einigen Jahren lernte ich ein Trainingssystem kennen, welches ich als Muskelaufbausystem zu schätzen lernte und nach dem in der Zwischenzeit viele ELANER trainierten (vor allem die etwas Fortgeschritteneren): Das PITT-System.

Das Pitt-System bricht mit dem Mythos, dass man um Muskelaufbau zu erlangen den Muskel permanent auf Spannung halten muss. Vielmehr wird der Trainingssatz in die einzelnen Wiederholungen zerlegt und zwischen diesen Wiederholungen setzt der Trainierende kurz ab und lässt den Muskel sich erholen. Die Pausen sind zu Beginn des Satzes sehr kurz, werden mit zunehmender Erschöpfung aber immer länger. Im Normalfall werden 20 Wiederholungen durchgeführt, es gibt aber auch einige Varianten, bei denen beispielsweise mit weniger (aber dafür sehr, sehr langsamen) Wiederholungen gearbeitet wird.

Karsten Pfützenreuter, der das System publizierte, möchte durch die Pausen erreichen, dass der Muskel nach und nach zwar völlig erschöpft, dass diese Erschöpfung aber nicht durch eine Übersäuerung des Muskels erreicht wird. Zudem sammelt man sehr, sehr viele intensive Wiederholungen in einem sehr kurzen Zeitraum an. Mindestens 10-12x in einem solchen 20er-Satz führt man eben diese gerade allerletzte mögliche Wiederholung durch, zu der man gerade noch im Stande ist. Man schafft nur deshalb noch eine weitere Wiederholung, weil man eben kurz pausiert. Ein solcher PITT-Satz kann durchaus auch mal 5 Minuten dauern bei einer Übung wie Kreuzheben, dafür ist der Trainierende aber auch nicht in der Lage, sehr viele Trainingssätze zu absolvieren. Dies ist jedoch nicht als Problem zu sehen, da die wenigen Sätze so intensiv sind, dass sie weitere nicht erfordern.

Nachteile? Nun ja, zum einen erfordert das PITT-System die Beherrschung der Grundübungen. Am besten Kniebeuge und Kreuzheben, welche beide in 20er-Sätzen wahrlich keine Freude sind. Des Weiteren aber kann man durch das Absetzen zwischen den Wiederholungen relativ wenig mit Schwung arbeiten. Wer die Hantel gerne schwingt um hohe Gewichte zu verwenden, den wird das PITT-Training nicht befriedigen. Zu guter Letzt ist ein PITT-Training aber wie beschrieben auch kurz und es sind nur wenige Sätze möglich. Wer gerne 12 Sätze für den Bizeps pumpt, der wird eventuell Probleme haben sich selbst klar zu machen, dass auch weniger reicht. Neben denen, die mit dem System gut klar kommen und gute Erfolge erzielen gibt es auch etliche Trainierende, die schon nach kurzer Zeit wieder zum herkömmlichen Pumptraining zurückwechselten, lange bevor sie sehen konnten, ob das PITT-Training denn überhaupt was bringt oder nicht.

Mit IFBB-Profibodybuilderin Nicole Pfützenreuter, dem Deutschen Meister 2010 Peter Baers und anderen erfolgreichen Bodybuildern gibt es inzwischen etliche Protagonisten, die das System nach außen gut vertreten. Was mir aber am wichtigsten ist: es wirkt auch bei normalen Menschen, die nicht von ihren Eltern mit unglaublicher Genetik versehen wurden, evt. auf muskelaufbauende Medikation zurückgreifen und ähnliches. Auch der „Normalo“, der 2-3x die Woche neben einem anstrengenden Job das Eisen bewegt kann mit dem PITT-Training gute Erfolge erzielen. Wer zu den Fortgeschrittenen zählt und sich nicht zu schade ist, mal etwas anderes zu probieren, für den ist das PITT-Training aber auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Weitere Fragen diesbezüglich beantworte ich gerne und helfe selbstverständlich bei der Erstellung von PITT-Plänen. Eine einfache Übernahme von „normalem“ Training zu PITT-Training ist alles andere als empfehlenswert!

Torsten Hülsemann – ELAN Kraft- und Personal Trainer, 30.06.2011