2004 war Stephan Steding nah dran, als 22jähriger bereits an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Seine Jahresbestleistung von 82,13m brachte den Speerwerfer zum Jahresende auf den exzellenten 31. Platz der Weltjahresbestenliste und er wäre wohl nach Athen gefahren – wenn er nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hätte, sondern für irgendein anderes Land starten würde. So gut seine Leistung international auch einzuordnen war, 2004 hatte die deutsche Leichtathletik in keiner Disziplin eine solch breite Spitze aufzubieten wie beim Speewurf. In der deutschen Bestenliste war Steding zum Jahresende Siebter und beim entscheidenden Wettkampf, den deutschen Meisterschaften in Braunschweig, warf Steding zwar gut mit 81,77m und seinem zweitbesten Wettkampf des Jahres, es reichte aber ganz knapp nicht mit der Olympiateilnahme. Vier Jahre musste Steding warten, dieses Jahr kann er sich endlich den Traum erfüllen, als Athlet zu den Olympischen Spielen zu fahren.

Stephan Steding war bereits als Jugendlicher ein äußerst talentierter Athlet. Im Jugendbereich war er mit Kugel, Diskus und Speer erfolgreich. In allen drei Disziplinen ereichte Steding national gute Leistungen, mit dem Speer musste er 1999 und 2000 pausieren. Ärzte diagnostizierten einen Gleitwirbel und um gesundheitliche Folgeschäden zu vermeiden, musste er auf seine Lieblingsdisziplin verzichten.
Aber auch Ärzte irren sich manchmal, der Gleitwirbel entpuppte sich als Fehldiagnose und da der erhoffte ganz große Durchbruch mit Kugel und Diskus bisher nicht gelang, stieg Steding 2001 in seinem zweiten A-Jugend-Jahr wieder auf sein Lieblingsgerät um, den Speer. In seinem ersten Jahr kam er gleich auf 69,33m und wurde Deutscher Jugend-Winterwurfmeister.

2002 zahlte sich der Umstieg dann richtig aus. Steding verbesserte sich auf 78,50m und stieß in die erweiterte deutsche Spitzenklasse auf. Erstmals gewann er auch bei den Junioren den Deutschen Meistertitel und wurde bei den Aktiven Fünfter.

2003 übertraf Steding erstmals die 80m und verbesserte seine Bestleistung auf 81,96m. Platz Zwei den Junioren und wiederum Platz 5 bei den Aktiven standen national zu Buche. Bei der U23-Europameisterschaft belegte er den fünften Platz.

Im Olympiajahr 2004 wurde Steding wieder Deutscher Juniorenmeister, der Sprung zu Olympia blieb ihm aber leider versagt und auch in den Folgejahren ging es nicht voran. Sowohl 2005 als auch 2006 war er verletzt, seine Jahresbestleistungen von 70,23m und 74,64m entsprachen nicht seinem wahren Leistungsvermögen. Schnell kamen Gerüchte auf, ob er überhaupt noch einmal an sein altes Niveau erreichen würde. Stephan Steding glaubte aber an sich und seine Ausdauer sollte belohnt werden…

2007 kam Steding zurück, er verbesserte seine Bestleistung auf 82,46m, wurde Deutscher Meister und nahm an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften teil, schied dort in der Qualifikation aber aus.

2008 ist nun wieder ein Olympiajahr. Bereits im Winter machte Steding mit dem zweiten Platz bei der European Wurf-Challenge auf sich aufmerksam. In der Sommersaison folgten Verbesserungen auf die neue Bestleistung von 83,50m, womit er bester Deutscher ist. Bei den Deutschen Meisterschaften ging es dann um die endgültige Qualifikation, wobei Steding die besten Karten unter den deutschen Speerwerfern hatte. In einem Interview äußerte er sich zu seinen Chancen: LINK INTERVIEW.
Bei den deutschen Meisterschaften schließlich stand bei Steding am Ende wieder wie im Vorjahr die Eins… dieses Mal allerdings die Doppeleins, er wurde bei widrigen äußeren Bedingungen lediglich Elfter. Da es aber keinem seiner Konkurrenten gelang, ein weiteres Mal die Olympianorm zu werfen, stand Stephan Steding nach dem Wettkampf als einziger mit zwei Normerfüllungen da und hatte damit das Olympiaticket sicher. Nach Peking muss er jedoch trotzdem nicht allein, Alexander Vieweg reichte die zweite Norm nach, so dass beide Athleten nominiert wurden.

Vor Olympia steht nur noch ein weiterer Wettkampf an, am 1.8. wirft der für Hannover 96 startende Steding ein letztes Mal im Wettkampf, bevor es auf die Reise nach China geht.

Die Teilnahme an Olympischen Spielen – für Stephan Steding wird gerade einer seiner beiden großen sportlichen Träume wahr. Sein zweites Ziel sind die 85m, irgendwo im Hinterkopf schwirrt auch die „90“ rum, wobei er sich bewusst ist, dass dies noch sehr weit weg und auch sehr hoch gegriffen ist. Steding weiß aber, dass man Ziele so setzen muss, dass sie auch eine Herausforderung darstellen. Seine bisherigen Erfolge geben ihm Recht.

Unterstützt wird der junge Speerwerfer von seinem Trainer Marek Schulz, bei dem er seit dem Winter 2000/2001 trainiert. Schulz war früher selbst aktiver Speerwerfer und gibt Steding für ihn wichtige Freiräume, gleichzeitig geht er aber auch auf Anregungen des Athleten ein. Steding ist voll des Lobes für dieses gegenseitige Vertrauensverhältnis.

Neben dem Speerwurf beschäftigt sich Stephan Steding mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hannover. Was seine berufliche Zukunft angeht, so ist sich der Olympiadebutant noch nicht sicher, er macht dies auch von seiner weiteren sportlichen Karriere abhängig.
Zuerst steht jetzt aber erst einmal der bisher wichtigste und größte Wettkampf seiner Karriere an, wobei Stephan Steding möglichst besser abschneiden möchte als bei seinem bisher einzigen Start bei den Aktiven bei den Weltmeisterschaften des letzten Jahres.

Viel Erfolg, Stephan!

ET
to-be-strong.de