Am gestrigen Montag, dem 1.10.2007, ist in einem Krankenhaus in Fort Meyers/ USA Al Oerter im Alter von 71 Jahren gestorben. Oerter war in den Jahren 1956 bis 1968 etwas gelungen, was seitdem nur einem weiteren Leichathleten (Carl Lewis, 1984 bis 1996 im Weitsprung) bei Olympischen Spielen gelang: viermal in Folge gewann er seine Disziplin. Kurios dabei, dass Oerter im Vorfeld niemals Favorit war. Trotzdem gewann er immer mit neuem Olympischen Rekord.

1956 überraschte der blutjunge Außenseiter Oerter mit im ersten Versuch erzielten 56,36m. Dem Topfavoriten Fortune Gordien (ebenfalls USA) blieb mit 54,81m nur die Silbermedaille.

1960 war Oerter bereits bekannt, den Weltrekord jedoch hielten Rink Babka (USA) und Edmund Piatkowski (Polen) mit jeweils 59,91m. Bereits während der Qualifikation wurde jedoch klar, dass der Sieg nur über Oerter gehen würde. Beim Einwerfen warf er etwa 60,5m – was Weltrekord und den ersten offiziellen 60m-Wurf bedeutet hätte. Nach verunglückten 46,33m erzielte er im zweiten Versuch der Qualifikation dann mit 58,43m einen neuen Olympischen Rekord und übertraf die geforderte Qualifikationsweite von 52m deutlich.
Babka begann das Finale mit 58,02m, Oerter ließ 57,64m folgen. An dieser Reihenfolge änderte sich nicht bis zum fünften Versuch, als Oerter mit 59,18m seinen Olympischen Rekord aus der Qualifikation verbesserte. Niemandem gelang es mehr, an diese Weite auch nur annähernd heranzukommen.

1964 hätte man Al Oerter eigentlich als Topfavirit zählen können, hätte er sich nicht 6 Tage vor dem Wettkampf eine schwere Rippenverletzung zugezogen. Obwohl die Ärzte ihm einen Start verbieten wollten, versuchte Oerter das Unmögliche. Fest einbandagiert und mit Unmengen von Schmerzmitteln trat Oerter an, er wurde wortwörtlich in EIs gepackt, um innere Blutungen zu vermeiden.
Im fünften Durchgang erzielte er glatte 61m – er übernahm die Führung und warf neuen Olympischen Rekord und auch im sechsten Versuch wurde er nicht mehr überboten.
Trotz der Schmerzen sprach Oerter aber nach seinem Sieg bereits von den nächsten Olympischen Spielen, welche 1968 in Mexiko City stattfinden sollten…

So kam es schließlich auch. Oerter schaffte es wieder ins Team. Favorit war dieses Mal der Weltrekordmann Jay Silvester, welcher den Weltrekord im Vorfeld pulverisiert hatte. Oerter war nur Außenseiter. Bei schwierigen äußeren Bedingungen (Regen) war Oerter jedoch weniger “alter Mann”, als vielmehr “alter Hase”. Er gewann wiederum mit neuem Olympischen Rekord von 64,78m. Ein Jahr später beendete Oerter seine einzigartige Karriere… wenngleich ein weiteres unvergleichliches Kapitel folgen sollte…

Oerter startete mit 39 Jahren ein Comeback und warf 1980 mit 69,46m mehrere Meter weiter als in seiner “ersten Karriere”. bei den Trials für die Olympischen Spiele 1980 in Moskau wurde Al Oerter Vierter, allerdings boykottierte der Westen die Spiele in der Sowjetunion ohnehin zum Großteil.
Nach einem erneuten Rücktritt folgte ein weiterer Anlauf für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles. Im Alter von 47 Jahren wurde Oerter jedoch von einer Verletzung ausgebremst. 1983 hatte er noch 67,89m geworfen!

Im Gegensatz zum ebenfalls in diesem Jahr verstorbenen Olympiasieger Kugelstoßen von 1952 und 1956 – Parry O’Brien – war Oerter kein Technikinnovator. Er, der ohne Trainer arbeitete, bezeichnete sich als schlechten Techniker. Oerter wurde neben seinem Vierfachtriumph vielmehr dafür bekannt immer genau dann in Form zu sein, wenn es darauf ankam. Seine Nervenstärke war einzigartig.

1996 schließlich, 40 Jahre nach seinem ersten Olympiasieg, nahm Al Oerter dann doch noch einmal eine Hauptrolle bei Olympischen Spielen ein, als er in Atlanta das Olympische Feuer ins Stadion trug!

ET
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