Wer es noch nicht getan hat, der sollte erst Teil 1 und Teil 2 lesen.

Die 3 gescheiterten Versuche

Dreimal kam ich in meiner bisherigen Karriere meinem großen Traum schon nahe. Dreimal stoppte mich eine Verletzung.

Das erste mal müsste um 1996 gewesen sein. Ich hatte immer noch Andre als Trainingspartner. Mittlerweile hatte sich unsere Mannschaft einen eigenen Krafttrainer geleistet: Frank Schmidt. Und was haben wir ihn gehasst damals. Er ließ uns Übungen machen, die anstrengender waren als alles, was wir bis dahin gemacht hatten. Er stellte uns ein Programm auf, bei dem wir mehr als die Hälfte der Übungen nicht mochten. Aber eigentlich war es genau das, was wir brauchten, denn, ich muss es zugeben, in unserer Eigenregie haben wir sehr viele Muskelgruppen vernachlässigt. Kaum Beine und Rücken gemacht, Bauch fast nie. Das änderte sich erst mit Frank.
Naja, wie dem auch sei. Ich hatte gerade zum ersten mal in meinem Leben 180kg im Bankdrücken bewältigt, Andre immerhin 140kg, Bankdrücken war nie wirklich seine Übung, als ich eines Nachts mit starken Bauchschmerzen aufwachte und mich übergeben mußte.
Meine Mutter, panisch wie sie bei sowas immer ist, fuhr (zum Glück) sofort mit mir ins Krankenhaus. Diagnose: Akute Blinddarmentzündung. Operation kaum eine Stunde später.
Damit war ich für ein halbes Jahr außer Gefecht gesetzt, bis ich überhaupt wieder anfangen durfte mit Kraftsport. Doch es dauerte noch weitere sechs Monate, bevor ich mich wirklich wieder an schweres Gewicht wagte.

So dauerte es dann bis fast 2000, bis ich wieder in die Nähe der 200kg kam. Mit Andre trainierte ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr zusammen. Der hatte sein Studium beendet und schnell einen Job als Bauleiter der Stadt gefunden und ist zudem Trainer unserer Footballmannschaft und dann auch noch Vater einer Tochter geworden. Er hatte einfach keine Zeit mehr zum Kraftsport.
Ich hatte zunächst eine Weile allein trainiert, jedoch mit mäßigem Erfolg. Dann begegnete ich zufällig einer alten Freundin im Fitneßcenter und sie wurde dann meine neue Trainingspartnerin. Von da an ging es wieder zügig voran und ich steigerte mich immerhin wieder auf 150kg Bankdrücken. Leider dauerte unsere gemeinsame Trainingszeit nur etwa ein Jahr, dann trennten sich unsere Wege.
Sie wechselte die Stadt, ich das Fitneßcenter.
Zum Glück fand ich ziemlich schnell einen neuen Trainingspartner. Daniel, einen Arbeitskollegen. Mit ihm kam wieder der nötige Drive auf, das große Traumziel anzugehen. Bis Ende 2001. Ich war wieder bei 2 – 3 Wiederholungen mit 170kg, es lief alles richtig gut. Bis zu einem Footballspiel, an dem ich mich an der Schulter verletzte. Ich erwischte meinen Gegenspieler nicht richtig, konnte mich nur mit einer Hand an ihm festhalten und zu Boden bringen. Doch einen 120kg Brocken aus vollem Lauf mit einem seitlich ausgestrecktem Arm niederzureissen, hat dann auch was an meiner Schulter gerissen. Das war das Ende von Versuch 2 und das Ende meiner Footballkarriere. Meine Schulter ist seitdem nie wieder ganz in Ordnung gekommen, zwickt mal mehr und mal weniger, einige Bewegungen gehen gar nicht mehr richtig, aber die wichtigsten Übungen kann ich damit immerhin noch machen.

2004 kam es dann schließlich zum bis dahin letzten Anlauf auf die große 200. Daniel hatte schon wieder keine Lust mehr auf Kraftsport, dabei war er wirklich talentiert, hatte es in der kurzen Zeit auf 130kg im Bankdrücken geschafft. Mit nur einem Jahr Training. Doch wieder hat ein glücklicher Zufall mir geholfen.
Frank Schmidt, der von mir damals so gehasste, ehemalige Krafttrainer unserer Footballmannschaft, hatte sich auch im Fitneßcenter der Uni Kiel angemeldet. Nachdem wir uns dort ein paar mal zufällig getroffen und dann zusammen trainiert hatten, haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und sind feste Trainingspartner geworden. Und ich begann, Franks Trainingsmethoden zu lieben, die ich einige Jahre zuvor noch verflucht hatte. Zum ersten mal in meinem Leben steigerte ich mich nicht nur bei den Drückübungen, sondern auch bei den Zugübungen. Ich trainierte zum ersten mal in meinem Leben anständig Bauch und unteren Rücken, bekam starke Beine und kräftige Schultern. Nach nur knapp 2 Jahren unserer Zusammenarbeit schaffte ich 190kg im Bankdrücken und ein Ende der Steigerung war noch lang nicht in Sicht.
Doch wieder warf mich eine Verletzung ins Nichts zurück. Dieses mal war es jedoch nicht meine. Frank, der sich, bevor wir wieder aufeinandertrafen, eh schon sämtliche Bänder uns Sehnen in beiden Beinen bei einem Fußballspiel gerissen hatte, verletzte sich nun auch noch an der Schulter. Es gab nichts mehr im Brust- und Schulterbereich, was er noch schmerzfrei ausführen konnte, also beendete er seine Karriere als Kraftsportler, verlegte sich auf Laufen, Fahrrad fahren und Schwimmen.
Dies ließ mich dann leider wieder einmal ohne Trainingspartner zurück. Ich versuchte zwar, mein Ziel trotzdem noch zu erreichen, aber so ganz allein, das liegt mir irgendwie nicht. Es fehlte oft das letzte bisschen nötige Motivation, um voran zu kommen. Und vor allem an fähigen Spottern, denen ich es zutraute, mir beim Bankdrücken zu helfen, wodurch ich immer seltener mit hohem Gewicht trainieren konnte. Meine Leistungen sanken schließlich durchgehend. Beim Bankdrücken fiel ich auf 170kg ab und das veranlasste mich dann schließlich auch, mit dem Sport erstmal aufzuhören. Ich war zwar durchgehend angemeldet und ab und zu auch am trainieren, habe einiges ausprobiert, was mir von Torsten (ET) so vorgeschlagen wurde, aber das entpuppte sich bei mir doch immer nur wieder als Strohfeuer.
Bis zum 3.8.2007. Mein 35. Geburtstag. Ich sah mich im Spiegel und konnte mich nicht mehr leiden. Ich war so fett wie nie zuvor und dachte mir: „Das kann es doch jetzt nicht schon gewesen sein!“
Also hievte ich meine 105kg Schwabbelmasse wieder zum Training. Ich habe einen neuen Trainingspartner an Bord, Dennis, der mit mir zusammen in der zweiten Mannschaft mit Football angefangen hat. Dennis ist gut für meine Motivation, da er in vielen Bereichen sehr gut mit mir mithalten kann, obwohl er erst kurz beim Kraftsport ist. Hauptsächlich bei Rückenübungen ist er ziemlich dicht dran.
Das erste mal Bankdrücken nach so langer Pause war grausam. Mit Müh und Not schaffte ich zweimal 130kg. Doch nur zwei Monate intensives Training und ich lag bei 10 mal 130 und 4 mal 150kg.
Letzte Woche habe ich zum ersten mal wieder 170kg probiert, jedoch ganz knapp gescheitert, Dennis musste leider ein wenig helfen, aber ich bin mir sicher, das ist nur eine Frage der Zeit. Vielleicht nächste, vielleicht übernächste Woche, wer weiß.
200! Ich komme!

Teil 4 (derzeitiger Trainingsplan) folgt am kommenden Freitag (9.11.2007).

ET
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